Mertingens Luftgewehrmannschaft 1 wartet in Corona bedingter Schießruhezeit mit Überraschung auf

Seit Beginn der Corona Krise ist das gesamte Land in so ziemlich allen Lebensbereichen sehr eingeschränkt, nicht zuletzt in der Ausübung seines Sports: Die Vereinsheime sind geschlossen, ein Training ist bis heute in geschlossenen Räumen verboten und ein Ausüben des geliebten Hobbies nahezu unmöglich. Die Schützenverbände haben für 2020 sämtliche Meisterschaften abgesagt und somit ist der Schießsport momentan so gut wie tot. Denkt man. Stimmt aber nicht ganz.

Fast heimlich, beinahe still und leise und von vielen unbemerkt ist den Mertingern nämlich der größte Erfolg nicht nur der Vereinsgeschichte sondern des ganzen Schützengaus Donau-Ries gelungen: Die Luftgewehrmannschaft 1 ist in die Bundesliga 2 aufgestiegen. Das gab es im Gau in dieser Disziplin noch nie, im eigenen Verein schon gar nicht. Trotzdem kommt dieser Triumph für die Mannschaftsschützen selbst, ihren gleichermaßen ehrgeizigen und brillanten Techniktrainer Ferdinand Rudingsdorfer, die treuen Fans aus dem eigenen Verein, den Familien und Freunden und nicht zuletzt für den langjährigen Coach Bernd Schröttle, welche allesamt das Geschehen schon über Jahre mitfiebernd verfolgen, nicht ganz so überraschend, allerdings unerwartet plötzlich und auf diese Weise nicht erwartet – mehreren Fakten und Besonderheiten sei Dank:

Was ist passiert?

Zunächst konnte die Rundenwettkampfsaison vor Beginn der Krise und der damit verbundenen Beschränkungen gerade noch abgeschlossen werden. Für Mertingen so erfolgreich und hart verdient wie nur möglich, nämlich auf Platz 1 der Tabelle. Mit nur drei verlorenen Wettkämpfen schossen sich Verena Schröttle André Sauter, Thomas Muxel, Denis Nowey, Maria-Theresia Eckert, Alexander Strasser und Katharina Hafner an die Spitze der 8 Mannschaften der Bayernliga Gruppe 4 Südwest. Da hatte auch der Bund München III mit seinen zwar insgesamt mehreren Gesamtpunkten aber einem Mannschaftssieg weniger keine Chance. Davon abgesehen ist diese Mannschaft nicht aufstiegsberechtigt, da bereits der Bund II in der 2. Bundesliga schießt. Das aktuelle Reglement sieht es nicht vor, dass zwei Mannschaften aus einem Verein in einer gemeinsamen Liga ab der Bayernliga schießen. Fakt 1 ist also: Mertingen ist legitimer Tabellensieger der Bayernligasaison 2019-2020.

Jetzt wäre Mertingens erste Garde eigentlich zusammen mit 7 anderen Mannschaften (aus jeder Gruppe die beiden besten) zum Aufstiegskampf gefahren. Dort hätten zwei Wettkämpfe geschossen werden müssen. Aus deren Ergebnis hätte sich dann eine Gesamtplatzierung ergeben. Von den acht Mannschaften wären also die beiden Sieger in die Bundesliga 2 aufgestiegen. So das eigentliche Vorgehen. Dies findet allerdings so definitiv auf unbestimmte Zeit nicht statt, denn die Corona-Beschränkungen erlauben keine sportlichen Wettkämpfe. Fakt 2 ist also: Mertingen darf beim Aufstiegskampf antreten. Die Siegeschancen sind sehr real, betrachtet man die erfolgreiche Gesamtsaison. Dieser Kampf kann allerdings nicht stattfinden. Ein Aufstieg, der zum Greifen nahe war rückt wieder in ungewisse Ferne.

Schließlich aber kam völlig unerwartet doch Bewegung in die Sache. In der Bundesliga 2 kündigten sich nach der abgeschlossenen Saison unerwartet Veränderungen an. Durch diverse Verschiebungen der Bundesligamannschaften wurde es möglich, für die kommende Saison vier neue Mannschaften aus der Bayernliga aufsteigen zu lassen. Durch die Corona-Krise war ein Entscheidungswettkampf unmöglich. Das führte die entscheidungsbefugten Funktionäre im Schießsport letztlich zu folgender, für alle Beteiligten nachvollziehbaren und äußerst fairen Lösung: Aus jeder der vier Gruppen der Bayernliga darf der Tabellenführer aufsteigen. Fakt 3 ist also: Mertingens Luftgewehrmannschaft 1 schießt in der kommenden Saison in der BUNDESLIGA 2.

Wie geht es nun weiter?

Für das Mertinger Team ging es die ganze Zeit schon weiter, denn das Training der Mannschaftsschützen kam nie zum Erliegen. Vor der Krise sowieso nicht und während der Krise schon gar nicht. Die moderne Technik macht`s möglich: Alle Schützen rüsteten sich sofort privat mit der neuesten, nicht ganz billigen aber dafür umso effektiveren Technik aus. Sie trainieren beinahe täglich durch oder mit Scatt. Dazu wird eine Kamera auf dem Gewehr installiert. Diese nimmt die Trockenschüsse auf eine banale Papierscheibe oder einen Messrahmen per Schall auf und zeigt dem Trainierenden über den PC den Schussablauf bis ins kleinste Detail an – die Bewegungen beim Zielen, dem eigentlichen Schuss (per Trockenabzug) und schließlich den Ablauf nach dem Schuss. Somit kann bis ins Detail jede Bewegung analysiert, verbessert, erneut ausgeführt und schließlich perfektioniert werden. Die Anstrengung ist nun eine viel Höhere, das Feeling des realen Schießens bleibt fraglos auf der Strecke, die Perfektion jedoch kann in einem neuen, bisher völlig ungeahnten Maße ausgefeilt werden. Daneben wird die Kondition trainiert: im häuslichen Fitnesskeller oder ganz regelkonform alleine im Freien: Joggen, Gewichtheben, Fahrrad fahren … je nach Neigung und Person. Das nächste Trainingslager im italienischen Leistungszentrum ist bereits bis ins kleinste Detail geplant und wartet nur noch auf die Aufhebung der Beschränkungen. Und dann kann es eigentlich wieder losgehen? Wie genau, das weiß im Moment keiner. Fakt 4 ist aber, dass die Mertinger vorbereitet sind, auf alle Eventualitäten. Und schließlich Fakt 5: Mertingen wäre nicht Mertingen, hätte es nicht einen neuen Trumpf im Ärmel. Wie fast jede Saison wird die Mannschaft auch im Herbst Verstärkung bekommen. Er ist ein erfahrener Bundesligaschütze und den Mannschaftsmitgliedern bereits bekannt und längst ins Team integriert. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.